Fürth am Berg

Die erste Kunde von Fürth am Berg bringt uns das Neustadter Erbbuch von 1317, ein Verzeichnis über die Rechte und Besitzungen der Henneberger. Das Dorf lag an einer belebten Handelsstraße und trug seinen Namen nach der Furt, die dort durch die Steinach führte.

Die Burg, die diese Furt sichern sollte, wurde erstmals 1348 genannt. In ihr residierten Angehörige berühmter Geschlechter (von Schaumberg, von Rosenau, von Würtzburg und andere), die als Amtleute vom Hochstift Bamberg eingesetzt wurden. Aus der Frage, wann bei Angelegenheiten des Dorfes das Fürstentum Sachsen-Coburg oder das Hochstift Bamberg zuständig war, entwickelten sich so manche Streitigkeiten.

Im Bauernkrieg wurde die Burg 1525 in Mitleidenschaft gezogen; wie sehr, ist nicht genau überliefert. Jedenfalls plünderten die Bauern den gut gefüllten Weinkeller. Archäologen fanden Brandspuren an der Ruine, von denen sie auf ein Feuer in dieser Zeit schließen. Die Bauern mussten schließlich 200 Gulden Schadenersatz leisten. Das Ende der Burg kam jedoch erst, als sie im 17. Jahrhundert als Wohnsitz aufgegeben und im Dorf ein Amtshaus errichtet wurde. Ihre Steine fanden beim Bau so manchen Fürther Hauses Verwendung.

Von alters her gehörte Fürth zur Kirchengemeinde Mupperg. Das zeigt sich auch daran, dass die Fürther bis heute ihre Kirchweih schon an Pfingsten, am Termin der Weihe der Mupperger Kirche, feiern. Erst durch die Grenzziehung nach dem Zweiten Weltkrieg kam Fürth zur Kirchengemeinde Fechheim. Als Ersatz für die verlorene Verbindung nach Mupperg erhielt Fürth 1968 ein eigenes Gemeindehaus.

Auf eine lange Vergangenheit kann das Wirtshaus an der Straßenkreuzung zurückblicken. Schon 1595 steht sein Wirt Otto Herthan im Mitwitzer Lehenbuch. Das Haus beherbergte im Schutze der Burg die Kaufleute, die aus Regensburg und Kulmbach über Plesten oder aus Nürnberg über Lichtenfels und Weidhausen kamen und nach Norddeutschland weiterzogen. 1623, als der Coburger Herzog im Dreißigjährigen Krieg noch nicht Partei ergriffen hatte, erstellte man einen Neubau, der jedoch schon elf Jahre später von den Kronachern niedergebrannt wurde. Bald nach Kriegsende wurde es wieder aufgebaut, denn 1663 erkaufte Johann Bauersachs die Wirtsgerechtigkeit von der Gemeinde.

1781 lässt sich in Fürth erstmals ein Präzeptor (von der Gemeinde besoldeter Lehrer) nachweisen. Bis 1826 besuchten auch die Kinder aus Liebau die Fürther Schule, ab 1840 zusätzlich die aus Plesten. Schule und Armenhaus befanden sich unter einem Dach. 1860  wurde die Schule von der Präzeptur- zur wirklichen Schule erhoben und die Besoldung des Lehrers erhöht. Ein neues Schulhaus wurde 1878 fertiggestellt. Mit der Auflösung des Schulverbandes Fürth-Fechheim-Wellmersdorf mussten schließlich 1971 alle Kinder in Neustadt den Unterricht besuchen.

Im Ersten Weltkrieg verloren 16 Fürther ihr Leben, aus dem Zweiten kehrten ebenfalls 16 nicht zurück. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, am 21. Februar 1945, griffen amerikanische Jagdbomber den Bahnhof an und beschädigten fünf Tankwagen und das Bahnhofsgebäude. Ein weiterer Angriff auf dasselbe Ziel erfolgte am 8. April 1945.

Die Nähe der innerdeutschen Grenze führte zu tragischen Zwischenfällen. Am 23. August 1948 wurde ein Mann aus Erlangen, der sich im Grenzgasthof eingemietet hatte, durch einen Bauchschuss der thüringischen Grenzpolizisten so schwer verletzt, dass er daran starb. Am 30. Mai 1970 wollte der Fürther Hubert Engel sein Wiesengrundstück von dem Unrat befreien, den das letzte Steinach-Hochwasser dort abgelagert hatte. Dabei berührte er mit dem Rechen eine aus der DDR angeschwemmte Plastikmine. Die Explosion verletzte ihn schwer.

Pfingsten 1963 wurde der Brunnen in Betrieb genommen, den Fürth 1960 als zweiten Preis im Wettbewerb „Das schönere Dorf“ gewonnen hatte. Er wurde von Karl Braun aus München entworfen und stellt das Motto „Wir sitzen alle in einem Boot“ figürlich dar. Damit sollte einerseits auf den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft hingewiesen, andererseits auch die Teilung Deutschlands angesprochen werden.

1971 entstand die Gemeinde Wasung aus den Dörfern Aicha, Fechheim, Fürth am Berg mit Horb, Mittelwasungen, Plesten und Unterwasungen. Zum 1. Januar 1976 ließ sich Wasung nach Neustadt eingemeinden.

Zusammenstellung: Isolde Kalter

Fürther Burg

Die ersten Jahrhunderte der Burggeschichte liegen im Dunkeln. Die erste Erwähnung ist im Jahre 1348 zu verzeichnen, es ist jedoch anzunehmen, dass die Anlage wesentlich älter ist als bisher angenommen. Die Burg ist auf einer älteren, den Bergsporn bedeckenden Abschnittsbefestigung errichtet. Sie ist als Ungarnrefugium (Fluchtburg zum Schutz vor den Reiterangriffen der Ungarn) anzusehen und dürfte damit bis in die karolingische Zeit zurückreichen, also bis in das 9., evtl. sogar bis in das 8. Jahrhundert.

Erst im Jahr 1348 finden wir in einem Urbar (Besitzverzeichnis), das von dem Hochstift Bamberg erstellt wurde, den ersten schriftlichen Hinweis zur Burg Fürth am Berg, der die Anlage als bambergisches Eigentum ausweist. Allerdings geht aus diesem Verzeichnis bereits hervor, dass die Einkünfte der Burg an die Adelsfamilien der Schaumberger und Heßberger verpfändet waren. Die Besitzverhältnisse erscheinen jedoch noch komplizierter, da eine Quelle aus dem Jahr 1359 belegt, dass nicht der Bischof von Bamberg, sondern Berthold Schenk, der Pflege zu Coburg, das Öffnungsrecht am halben Teil der Burg auf den Hohenzollern Albrecht, Burggraf zu Nürnberg, übertrug, mit dem Zugang zur Burg gewährt wurde. Dass die Pflege Coburg dieses Recht zu verkaufen hatte, zeigt, dass die Besitztitel an der Burg nicht vollständig in der Hand des Bamberger Bischofs waren.

Mit der Verpfändung der Burg an Konrad Marschalk zu Schney im Jahre 1417 wurde Fürth am Berg zum ersten Mal als Amt erwähnt. Die Marschalkfamilie hielt das Amt Fürth am Berg aber nicht lange. Schon 1424 wurde den Gebrüdern Hans, Otto und Georg von Truchseß das Amt Fürth am Berg verpfändet, doch sahen sich auch die Truchsesse wegen ihrer finanziellen Schwierigkeiten gezwungen, auf das Amt zu verzichten. Es fiel im Jahr 1474 an Oswald von Rosenau und blieb bis 1576 im Besitz der Rosenauer, die das lukrative Coburger Münzmeisteramt innehatten. In die Rosenauer Zeit fällt auch die Zerstörung der Burg 1525 zur Zeit der Bauernkriege durch ein Feuer. Im Jahr 1528 war sie aber wieder aufgebaut.

Nachdem die Rosenauer am Anfang des 16. Jahrhunderts in Geldschwierigkeiten geraten waren, nutzten die in der Region begüterten Würtzburger diese Situation aus und übernahmen das Amt Fürth am Berg. Von 1576 bis zu seinem Tod 1587 ist Hieronymus von Würtzburg als Amtmann nachweisbar. Nach seinem Tod ist Albrecht von Brandenstein 1592 als Amtmann zu Fürth am Berg bezeugt. Albrecht von Brandenstein wurde ohne Verpfändung in das Amt eingesetzt. Von 1596 bis 1610 ist Hans Veit I. bezeugt. Ab 1610 wurde das Amt auch nicht mehr verpfändet, sondern, gelegentlich Belegen zufolge, von dem Kastner in Kronach oder einem bürgerlichen Vogt verwaltet.

Im Jahr 1680 wurde mit der Errichtung des Amtshauses in Fürth am Berg die Burg bedeutungslos und für das Hochstift Bamberg entbehrlich. Der Amtmann hatte keinerlei Besitzrechte; die Burg war für die Abwicklung seiner Amtsgeschäfte zu abgelegen und unvorteilhaft; es herrschte Wassermangel und es ist anzunehmen, dass er auch keinerlei Interesse an einer Bauunterhaltung hatte. Spätestens ab 1730 ist von einem systematischen Abtrag der Burg auszugehen. Vermutlich wurde sie von den Dorfbewohnern als Steinbruch verwendet. 1489 ist auf dem Burgreal archivarisch eine Waldglashütte belegt. Diese wurde um 1900 im Rahmen eines Forschungsprojekts untersucht.
 
Zwischen 1964 und 1967 versuchte der Fürther Ingenieur Richard Gerlicher die inzwischen als Bodendenkmal eingestufte Ruine als Kulturgut zu sichern und mit Hilfe von Grabungen ihren Stellenwert zu verbessern. 1980 wurde die Ruine aufgrund der Bemühungen Fürther Bürger als Denkmal unter Schutz gestellt.
Im Jahre 1989 wurde aufgrund der Initiative von Klaus-Peter Kob, Fürth am Berg, der "Förderkreis Fürther Burg e.V.“ gegründet, dessen Hauptaufgabe in der Denkmalspflege und in der Unterstützung heimatgeschichtlicher Forschung liegt. Sein Hauptaugenmerk richtet der Verein auf die Burgruine und nimmt seine Aufgaben in enger Absprache mit der Stadt Neustadt bei Coburg sowie der Universität Bamberg wahr.

Der Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Bamberg führte in der Zeit von 1991 bis 1996 mit Unterstützung der Stadt Neustadt, gefördert vom Arbeitsamt, der Forstdirektion Coburg, dem Landesamt für Denkmalpflege sowie dem Förderkreis Fürther Burg e.V., archäologische Untersuchungen durch.

Der Förderkreis Fürther Burg e.V. hat sich die Heimatpflege zur Aufgabe gemacht. Er unterstützt dabei heimatgeschichtliche Forschungen, wobei sein Hauptaugenmerk der Burgruine Fürth am Berg gilt. Große Unterstützung erhält der Verein dabei von der Stadt Neustadt bei Coburg und vom Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Bamberg. Dem Verein gehören etwa 250 Mitglieder an. Er finanziert seine Vorhaben neben den Mitgliedsbeiträgen vor allem aus dem Erlös eines Weinfestes, das alljährlich Ende Juli an der Friedenseiche in Fürth am Berg stattfindet.

Link zum Förderkreis Fürther Burg e.V.
Quelle: Ulrich Göpfert, Dörfles-Esbach

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